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Eure und unsere Themen

Hier bekommst du Infos zu wichtigen Themen.

JvJ NRW kümmert sich um die Themen und Anliegen, die für viele interessant und wichtig sind. Wir versuchen, wichtige Fragen zu klären und setzen uns dafür ein, dass sich die Situation für die Kinder und Jungendlichen in den Wohngruppen verbessert. Auf dieser Seite werden nach und nach Informationen zu Themen eingestellt, um die wir uns schon gekümmert haben.

Findest du etwas richtig ungerecht und glaubst, dass es vielen anderen Kindern und Jugendlichen auch so gehen könnte? Dann melde dich bei uns. Du kannst beeinflussen, worum wir uns kümmern!

Foto eines Holzschildes mit einem Pfeil

Kostenheranziehung

Am 07.05.2021 wurden umfangreiche Änderungen im SGB VIII beschlossen. JvJ NRW und zahlreiche weitere Interessenvertretungen und Initiativen haben sich in den letzten Jahren für Verbesserungen in der Kinder- und Jugendhilfe eingesetzt. Wir freuen uns sehr, dass die "/5%-Regel" nun verbessert wird. Folgende Regelungen für Geld verdienende junge Menschen in den stationären Erziehungshilfen treten nun in Kraft:

  • Der Kostenbeitrag für diejenigen, die Geld verdienen, wird von 75% auf höchstens 25% gesenkt. Der Beitrag wird künftig nach dem aktuellen Einkommen berechnet.
  • Folgendes Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit innerhalb eines Monats darf künftig behalten werden:
    1. Einkommen aus Schülerjobs oder Praktika mit einer Vergütung bis zur Höhe von 150 Euro
    2. Einkommen aus Ferienjobs,
    3. Einkommen aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit oder
    4. 150 Euro monatlich als Teil einer Ausbildungsvergütung.

Die Änderungen stehen im § 94 SGB VIII. Die Änderungen sind ein guter Anfang, wir freuen uns, dass wir als Betroffene gehört wurden. Wir bleiben aber am Thema dran und fordern die komplette Abschaffung der Kostenheranziehung!

Taschengeld

Taschengeld ist ein wichtiges Thema, zu dem uns immer wieder Fragen von Kindern und Jugendlichen erreichen.

Weißt du, wie viel Taschengeld dir zusteht? Wer darf darüber entscheiden, wofür es ausgegeben wird und wie wird es ausgezahlt?

Diese Fragen beantworten wir hier.

Wie hoch ist das Taschengeld?

Wie hoch das Taschengeld ist, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In NRW bestimmt das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW die Höhe. 

Die aktuellen monatlichen Taschengeldsätze findet ihr in der folgenden Tabelle (Stand 01.01.2021):

Alter Betrag pro Monat
4/5 Jahre 5,80 €
6 Jahre 10,80 €
7 Jahre 16,10 €
8 Jahre 21,80 €
9 Jahre 27,00 €
10 Jahre 27,00 €
11 Jahre 32,50 €
12 Jahre 37,90 €
13 Jahre 43,30 €
14 Jahre 57,50 €
15 Jahre 63,00 €
16 Jahre 74,80 €
17 Jahre 80,30 €
ab 18 Jahre 120,42 €

Warum ist eigenes Geld zu haben so wichtig?

Durch den Umgang mit eurem Taschengeld lernt ihr, selbstständig mit Geld umzugehen und es zu verwalten. Es ist ganz wichtig, das zu lernen, damit ihr mit Geld umgehen könnt, wenn ihr z.B. später in einer eigenen Wohnung seid.

Darf man mir mein Taschengeld kürzen oder sogar verbieten?

Euer Taschengeld steht euch uneingeschränkt zur Verfügung. Das heißt, eure Betreuer*innen dürfen euch das Taschengeld nicht kürzen oder ganz verbieten, wenn ihr was angestellt habt. Aber sie können euch helfen, das Geld für große Anschaffungen zu sparen.

Wie wird mein Taschengeld ausgezahlt?

Bei der Auszahlung dürft ihr in Absprache mit euren Betreuern und Betreuerinnen entscheiden, ob das ganze Taschengeld auf einmal oder über den Monat verteilt ausgezahlt wird. Ihr könnt mit der Zustimmung und Unterstützung eurer Sorgeberechtigten auch ein eigenes Konto eröffnen, auf das das Geld eingezahlt wird.

Bekleidungsgeld

Lust auf eine große Shopping-Tour? Mit dem Bekleidungsgeld, das Kinder und Jugendliche in Wohngruppen bekommen, ist das gar nicht so einfach. Was wir tun, damit das Bekleidungsgeld erhöht wird, kannst du hier nachlesen.

Außerdem informieren wir dich, wie viel Bekleidungsgeld dir zusteht und wie damit umgegangen werden muss.

So viel Geld bekommst du

Alle jungen Menschen in den Wohngruppen und stationären Erziehungshilfeeinrichtungen in NRW bekommen den gleichen Betrag für Bekleidung. Das Bekleidungsgeld ist in so genannten "Tagessätzen" festgelegt. Deshalb bekommst du mehr Bekleidungsgeld, wenn du einen ganzen Monat in der Wohngruppe lebst, als wenn du erst am 20. des Monats eingezogen bist. Deshalb gibt es auch ein bisschen mehr Geld, wenn der Monat 31 Tage hat, als in Monaten mit 30 oder 28 Tagen. 

Wie viel Bekleidungsgeld steht mir zu?
Alter Tagessatz Monat mit 30 Tagen Monat mit 31 Tagen
0-13 Jahre 1,23 € 36,90 € 38,13 €
ab 14 Jahre 1,34 € 40,20 € 41,54 €

 

Wenn du schnell gewachsen bist, du mit ganz wenig Kleidung in eine Einrichtung gezogen bist oder auch zu besonderen Anlässen (wie Kommunion/Konfirmation, Kauf von Berufsbekleidung etc.) kann einmalig ein größerer Betrag beim Jugendamt beantragt werden.

aktueller Stand

Das Bekleidungsgeld für Kinder und Jugendliche in Einrichtungen ist in Nordrhein-Westfalen seit mehr als 20 Jahren nicht mehr erhöht worden! Wir setzen uns aktuell für eine Erhöhung ein. Wir haben verschiedene Menschen aus der Politik und die Spitzenverbände angeschrieben und eine Erhöhung des Bekleidungsgeldes gefordert. Wir haben einige Rückmeldungen bekommen, dass unsere Forderung unterstützt wird. Drückt mit uns die Daumen, dass wir alle bald mehr Bekleidungsgeld bekommen!

Wer entscheidet, was gekauft wird?

Das Bekleidungsgeld ist natürlich nur zum Kauf von Kleidung da. Aber wer entscheidet eigentlich, welche Klamotten genau gekauft werden?

Du sollst dich in deiner Kleidung wohl fühlen. Deshalb ist das ein wichtiger Bereich der Beteiligung oder Selbstbestimmung. Bei jüngeren Kindern helfen die Fachkräfte beim Bekleidungskauf. Je älter du wirst, desto mehr darfst du alleine entscheiden, für welche Kleider du dein Bekleidungsgeld ausgibst. Die Fachkräfte sollen dich dabei beraten, dass deine Einkäufe sinnvoll sind, damit dir am Ende nicht etwas Wichtiges fehlt. Schließlich ist der Betrag für den Kauf von Bekleidung sehr begrenzt.

Da das Bekleidungsgeld zweckgebunden ist, also nicht für etwas anderes ausgegeben werden darf, kann die Wohngruppe von dir einen Nachweis verlangen, wofür du das Geld ausgegeben hast.

Haustiere

Wie ist das eigentlich mit Haustieren in Wohngruppen? Darf man Haustiere haben oder ist das nicht erlaubt? An wen kann man sich wenden, wenn man ein Haustier haben will? Welche Argumente gibt es für oder gegen Haustiere?

Wir haben mit verschiedenen Personen gesprochen um Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema Haustiere zu bekommen. Wir hoffen, dass euch die Interviews helfen, Argumente zu finden, wenn ihr ein Haustier haben wollt.

Vorab können wir schonmal sagen: es ist nicht gesetzlich verboten, ein Haustier in einer Wohngruppe zu haben. Aber es ist auch nicht so einfach, weil viele Fragen berücksichtigt werden müssen.

Lest selbst, was Fachleute sagen...

Was sagen die Landesjugendämter zum Thema Haustiere?

Wir haben Stephan Palm und Ali Atalay zum Thema Haustiere befragt. Stephan Palm leitet die Abteilung "Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen" beim LVR-Landesjugendamt Rheinland. Ali Atalay leitet das Sachgebiet "Aufsicht und Beratung von Einrichtungen" beim LWL-Landesjugendamt Westfalen. Die beiden sind also die Leitungen der "Heimaufsichten". Deshalb konnten sie uns einige unserer Fragen beantworten:

Wie ist die rechtliche Regelung für Haustiere in Einrichtungen?

Es gibt keine rechtliche Regelung für die Haltung von Haustieren in Einrichtungen. Wichtig bei der Haltung von Tieren ist die Einhaltung der Regelungen im Tierschutzgesetz.

Falls man keine Haustiere haben darf, gibt es Ausnahmen?

Die Entscheidung, ob Haustiere in Einrichtungen gehalten werden dürfen, trifft die Einrichtungsleitung bzw. der Träger der Einrichtung.

Warum sind Haustiere in Einrichtungen so selten?

Die Einrichtungsleitungen müssen bei dieser Frage viele Dinge berücksichtigen:

  • Ist die Pflege von Haustieren regelmäßig und dauerhaft gesichert?
  • Was passiert, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht mehr um die Haustiere kümmern?
  • Bedeutet dies eine zusätzliche Belastung der Erzieherinnen und Erzieher?
  • Was passiert, wenn Kinder und Jugendliche neu in die Einrichtung kommen, die Angst vor Tieren haben?
  • Wie wirkt sich die Haltung von Haustieren auf die Hygiene in der Einrichtung und auf die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen aus (Allergien etc.)?

Es gibt viele Gründe für und viele Gründe gegen Haustiere in Einrichtungen, wie ist Ihre Meinung?

Wenn die oben benannten Fragen gut beantwortet sind, spricht nichts gegen die Haltung von Haustieren in Einrichtungen. Haustiere können in schwierigen Momenten bei Angst, Trauer und Frust wichtig sein. Ebenso werden Tiere auch im Rahmen der Therapie (tiergestützte Arbeit) in Einrichtungen eingesetzt.

Wir bedanken uns bei Stephan Palm und Ali Atalay für die Beantwortung unserer Fragen!

Was sagt der Leiter einer Einrichtung zum Thema Haustiere?

Alicia von JvJ NRW hat mit dem Leiter einer Einrichtung, die mehrere Gruppen hat, über das Thema Haustiere gesprochen. Wie er es findet, dass Kinder Haustiere haben und ob man in seiner Einrichtung ein Haustier haben darf, könnt ihr hier nachlesen:

Was sagen Sie zum Thema Haustiere in Einrichtungen?

Für Kinder ist es grundsätzlich eine gute Idee, wenn sie Haustiere haben dürfen.

Wie ist die Haustierregelung in Ihrer Einrichtung?

Es gibt keine einheitliche Regelung in unserer Einrichtung, sondern nur im Einzelfall, da es auch wichtige Bedenken gibt z.B. Thema Hygiene und um welches Tier es sich handelt. Ebenso ist es dafür wichtig, dass die Mitarbeitenden zustimmen, das Kind in der Haltung und Pflege zu unterstützen.

Denken Sie, Haustiere sind pädagogisch wertvoll?

Ja auf jeden Fall, da sie zum Beispiel bedingungslose Zuneigung spenden können.

Warum sind Haustiere in Einrichtungen so selten?

Bei vielen scheitert es sicherlich an der Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich mit um das Tier zu kümmern, auch möglich aus Angst vor der zusätzlichen Arbeit, die ein Tier mit sich bringt. Es ist auch möglich, dass eine artgerechte Haltung bzw. Versorgung nicht immer gewährleistet sein kann. Es ist auch schwierig, immer zu garantieren, dass die Kinder immer artgerecht mit dem Tier umgehen, auch wenn kein Erwachsener dabei ist. Ein weiterer Aspekt könnte die mit dem Tier einhergehende Notwendigkeit von Hygienemaßnahmen sein, die viele abschrecken könnte.

Denken Sie, dass die Arbeit mit Tieren das Verantwortungsbewusstsein der Kinder stärkt?

Ich glaube ja, mit der entsprechenden Unterstützung durch Erwachsene. Es ist aber nicht so, dass man sagen kann, dass das Kind ein Tier unbedingt braucht, um Verantwortungsbewusstsein zu lernen. Dennoch sind Tiere wichtig für Kinder.

Ist es sinnvoll, Tiere als therapeutische Unterstützung einzusetzen?

Ja auf jeden Fall, deswegen gibt es bei uns im Haus auch Therapiehunde und wir unterstützen das, da wir es für wichtig empfinden.

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Kinderrechteseite der Fachstelle "Gehört werden!"

Wir arbeiten eng mit der Fachstelle "Gehört werden!" zusammen. Auf der Homepage von "Gehört werden!" könnt ihr euch über eure Rechte informieren.

Hier geht's zur Homepage von "Gehört werden!"

Foto von einem Banner mit Kinderrechten

Hilfe bei individuellen Problemen

Hast du Probleme mit deinem Jugendamt oder in deiner Wohngruppe, die du nicht alleine lösen kannst? Die Ombudschaft Jugendhilfe NRW informiert junge Menschen über ihre Rechte und unterstützt bei Schwierigkeiten mit dem Jugendamt oder freien Trägern.

Hier geht's zur Homepage der Ombudschaft

Logo der Ombudschaft Jugendhilfe NRW